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Erfolgreich: Salzburger Sommerszene 2011

Mit einem Tanzspektakel des Les SlovaKs Dance Collective auf dem Domplatz ging die diesjährige sommerszene salzburg ins Finale: Die Besucher erlebten eine stimmungsvolle Reise durch die Welt der vielseitigen Tanzvirtuosen. Vom 23. Juni bis 14. Juli 2011 begeisterten bei freiem Eintritt rund 20 Tanz- und Theater­produktionen einer jungen internationalen Elite des zeitgenössischen Bühnenschaffens sowie Installationen und ein dichtes tanzbares Musikprogramm.

„Wir können auf ein erfolgreiches Festival zurückblicken. Mehr als 12.000 Besucher stehen für eine erfreuliche Bilanz, das sind im Schnitt fast 600 Besucher, die wir täglich bewegt haben. Der freie Eintritt für alle Veranstaltungen hat Kunst für alle zugänglich gemacht“, resümiert szene-Vorstand Leo Fellinger. „Die Bedenken einiger im Vorfeld, dass dadurch Kunst entwertet wird, konnten wir entkräften, genau das Gegenteil war der Fall. Viele Zuschauer haben aufgrund des freien Eintritts mehr Veranstaltungen besucht und wir konnten neue jüngere und ‚szene-ferne’ Publikumsschichten erreichen.“ Das zentrale Anliegen des barrierefreien Zugangs zur Kunst für alle wurde in einem Vermittlungsprogramm umgesetzt, das sich zentral an Jugendliche gerichtet hatte, eine breite Bewerbung fand aber u. a. auch bei karitativen Organisationen statt.

Neue Interpretationen des Theatralen

Drei Wochen lang versammelte die sommerszene eine junge internationale Elite des zeitgenössischen Bühnenschaffens in Salzburg. „Wir wollten junge Menschen für Kultur begeistern, daher war es nur konsequent, auch eine neue Generation internationaler Tanz- und Theatermacher in den Blickpunkt zu stellen. Mehr noch als in den Jahren zuvor wurde dabei das Theatrale fokussiert. Die Künstler spielen wieder bewusst im Theaterkontext und verwenden dessen Mittel“, so szene-Intendant Michael Stolhofer.

Für die sich daraus ergebenden neuen Ansätze in Form und Ausdruck standen u. a. Nathalie Koger, die in „Deflections: A Sonic Circus Performance, 2. Act“ die Magie des Zirkusses neu interpretierte oder Anne Juren, die in „Magical“ feministische Performances der 68er Jahre in aktuellen und höchst amüsanten Zusammenhängen zeigte. Einzig die Arbeiten von Padmini Chettur und dem Les Slovaks Dance Collective waren rein dem Tanz zuzuordnen.

Globale Wirklichkeiten

Der Fokus auf folgende Generationen wurde auch in Themen umgesetzt, die sich mit dem Leben und der Zukunft in einer globalisierten Wirklichkeit auseinandersetzen.

Bei der Uraufführung seines Stück „Expanding Energy“ behandelte der US-amerikanische Regisseur und Schauspieler Davis Freeman das Thema Energie und dessen Auf- und Bearbeitung in Form eines vierteiligen Abendprogrammes auf verschiedenen theatralen wie wissenschaftlichen Ebenen. „Alle Menschen wissen, wie sie besser und ökologisch korrekt leben sollen. Daher ist es schwierig, heute über Themen wie Energie auf eine Weise zu sprechen, die auch zum Handeln animiert. Kunst kann das bieten, kann zum Nachdenken anregen. Wir wollen mit einer unterhaltsamen Show und ungewöhnlichen Vermittlungsformen provozieren und neue Fragen aufwerfen“, so Freeman. Unterstützt wurde er dabei u. a. von den Choreographinnen Wendy Houstoun und Kylie Walters, dem Schauspieler Jerry Killick sowie musikalisch von Jochen Arbeit (Einstürzende Neubauten) und Paul Lemp.

Philippe Quesne, der Shooting-Star des französischen Theaters, wurde auch in Salzburg begeistert aufgenommen: Gemeinsam mit seiner Kompanie Vivarium Studio zeigte er sein Erfolgsstück „L’Effet de Serge“ und – als Österreich-Premiere – „Big Bang“: Mit aktuellen und subtilen Bezügen sowie intensiven Bildern interpretiert Quesne darin die Evolution in unterschiedlichen Ausformungen neu und setzte sich mit viel Ironie mit menschlichen Überlebensstrategien auseinander.

Europäische Wirklichkeiten

Einmal mehr war die sommerszene auch Schauplatz gesellschaftspolitischer Statements: Mit der Wirklichkeit einer medial inszenierten europäischen Gesellschaft setzte sich u. a. das italienische Babilonia Teatri in seinen Stücken „Pornobboy“ und „Made in Italy“ auseinander. Mittels skandierter Montage aus Schlagzeilen, Italien-Klischees und gesellschaftlichen wie politischen Skandalen begeisterten sie das Publikum und zeigten ein anderes und kritisches Italien.

„Das Angebot, zwei Stücke an einem Abend hintereinander zur Aufführung zu bringen, konnte das künstlerische Spektrum einzelner Künstler und die spannende inhaltliche Verschränkung der Produktionen zeigen“, erläutert Stolhofer. „In der Dramaturgie des Programms ergänzten sich in Tagesangeboten künstlerische Statements, die durch inhaltliche Analogien den Kontext der Projekte erweiterten.“

Die Utopie Europa präsentierte das Künstlerkollektiv Superamas: In „Youdream“ gestalteten sie mittels Zitaten aus der Geschichte des Kontinents, nationaler Klischees und Träumen aus dem Publikum eine assoziations- wie temporeiche Show. Die erfolgreiche szene-Produktion wurde zum Teil in Salzburg entwickelt. Die Gruppe selbst war schon mehrmals zu Gast und wurde auch diesmal mit großer Begeisterung aufgenommen.

Interventionen und Installationen in der Stadt

Neue Blickwinkel bot die sommerszene auf einem der Stadtberge Salzburgs: Bei den eigens für das Festival konzipierten Installationen von Mette Ingvarsten, von Paul Horn und Veronika Barnas sowie von Lisa Hinterreithner, Rotraud Kern und Daniel Zimmermann konnte man sich am und vom Kapuzinerberg ein ungewöhnliches Bild machen und seine Sinne schärfen.

Auf vielfachen Wunsch fand Mette Ingvartsens Installation von 2010 im nächtlichen Wald des Berges in diesem Jahr seine Fortsetzung: „The Light Forest“ spielte mittels künstlicher Lichtquellen mit der Wahrnehmung und erschloss neue Zugänge zum Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Im Franziskischlössl installierten Paul Horn und Veronika Barnaš ihre labyrinthische Arbeit „verloren“, in der sie sich mit dem Moment des Scheiterns auseinandersetzten, der jeder künstlerischen wie wissenschaftlichen Arbeit innewohnt. Die Wald-Installation „here you are“ von Lisa Hinterreithner, Rotraud Kern und Paul Zimmermann überraschte mit unerwarteten Bildern und Eindrücken, die einem mittels Stereoskopie-Viewern geboten wurden.

Innovation und internationale Strahlkraft

In vielen Publikumsreaktionen wurde den Produktionen eine außergewöhnliche Qualität zugesprochen. Der hohe Standard und die internationale Strahlkraft zeigte sich u. a. auch am Interesse von Kuratoren von Festivals in New York, Paris, Zagreb, Ljubljana, Brüssel, Rotterdam, Zürich oder Berlin, die Veranstaltungen der sommerszene besuchten.

Das in Salzburg uraufgeführte „Expanding Energy“ von Davis Freeman wird ab Herbst u. a. in Belgien und den Niederlanden zu sehen sein. Die erstmalig in Salzburg gezeigte Performance „Versuchsperson Silke Grabinger“ wird beim diesjährigen ImpulsTanz Wien aufgeführt, Mette Ingvartsens „The Light Forest“ illuminiert demnächst die Wälder um Brüssel und Tarek Atoui wurde mit seinem für die sommerszene konzipierten „below 160“ vom Metropolitan Museum of Art nach New York eingeladen.

Quelle
sommerszene salzburg

Redaktion | Freitag, 15. Juli 2011, 17:06 Uhr

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