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Zugabe – Tanz, Performance, Film

Bei der diesjährigen sommerszene Salzburg vom 5. bis 15. Juli erwarten bekannte Protagonisten ebenso wie neue Produktionen: Intendant Michael Stolhofer zeigt im letzten von ihm kuratierten Festival Produktionen von KünstlerInnen, die das internationale Tanzgeschehen der letzten 30 Jahre maßgeblich geprägt haben. Ihre Arbeiten sind im heutigen Theaterleben unverzichtbar und zeigen Entwürfe des zukünftigen Bühnengeschehens auf. Im Rahmen eines Pressegesprächs im Republic gab Stolhofer einen ersten Einblick.

A Few Minutes of Lock: Louise Lecavalier & Keir Knight (Foto © Massimo Chiarradia)

Louise Lecavalier & Keir Knight: A Few Minutes of Lock (Foto © Massimo Chiarradia)

„Als eine Art Zugabe konnte ich Künstlerinnen und Künstler für die diesjährige sommerszene gewinnen, deren schöpferischer Prozess über die Jahrzehnte eng mit der szene Salzburg verbunden ist“, freut sich Michael Stolhofer. „Seit Jahrzehnten ist die szene Partner internationaler Bühnenproduktionen und unterstützt damit die Realisierung und Etablierung neuer künstlerischer Ansätze. Wir selbst haben davon profitiert und konnten uns dabei auch immer neu definieren.“

Holen Sie sich Ihr Steuergeld zurück – die szene wendet sich gegen Ökonomisierung der Kunst und zeigt die Subventionsrealität auf. Bei der sommerszene-Eröffnung erhält jede/r Besucher/in den Betrag zurückerstattet, den der/die Durchschnittsösterreicher/in zur Jahresarbeit der szene salzburg an Steuermitteln beiträgt.

Louise Lecavalier: So Blue (Foto © Michel Pilon)

Louise Lecavalier: So Blue (Foto © Michel Pilon)

Eröffnet wird die diesjährige sommerszene mit der Uraufführung von „So Blue“ von Louise Lecavalier und Benoit Lachambre. Die Ikone des kanadischen Tanztheaters und der kanadische Performancekünstler waren bereits 2009 in Salzburg zu Gast und ergänzen sich einmal mehr zum Gesamtkunstwerk. Weiters trifft an diesem Abend in „A Few Minutes of Lock“ die Theatersprache Edouard Locks auf Louise Lecavaliers Bühnenpräsenz: Eine Hommage an die Ästhetik der 80er und 90er Jahre von La La La Human Steps. (Donnerstag, 5. Juli, 20:30 Uhr, Freitag, 6. Juli, 19:30 Uhr, republic)

Die Geschichte der Sommerszene ist untrennbar mit dem künstlerischen Werk Anne Teresa De Keersmaekers verbunden: Mit „Drumming Live“ kann sich das Salzburger Publikum zum mittlerweile 12. Mal auf einen unvergesslichen Abend mit der belgischen Choreographin und ihrer Compagnie Rosas freuen. Zur Komposition „Drumming“ von Steve Reich erschaffen die TänzerInnen von Rosas gemeinsam mit den Musikern des Ictus Ensemble vor der barocken Kulisse des Domplatzes ein Bühnenerlebnis unendlicher Kombinationen und Transformationen. (Freitag, 6. Juli, 21:30 Uhr (Ersatztermin bei Schlechtwetter: Sonntag, 8. Juli), Domplatz)

Wim Vandekeybus: Here After (Foto © Jean-Pierre Stoop)

Wim Vandekeybus: Here After (Foto © Jean-Pierre Stoop)

Mit einer Retrospektive lädt die Sommerszene zu einer Reise durch das künstlerische Werk des belgischen Regisseurs, Choreographen, Schauspielers und Photographen Wim Vandekeybus. In seinen Filmen, die seiner direkten Bewegungssprache entsprechen, hat der Ausnahmekünstler ein neues Spielformat erschaffen: Indem er Tanz in eine nichttheatrale Umgebung setzt und um narrative Ebenen ergänzt, definiert er dessen Bedeutung neu. An fünf Abenden werden Höhepunkte Vandekeybus Schaffens wie „Blush“ (2005) oder „Monkey Sandwich“ (2011) gezeigt, am sechsten Abend kuratiert er „The Wim Reel“ mit Filmen, die ihn entscheidend inspiriert haben. Am letzten Kinospieltag ist Wim Vandekeybus persönlich anwesend.(Sonntag, 8. bis Freitag, 13. Juli, kavernen 1595 KINO)

Nach der szene-Koproduktion „Maybe Forever“ 2008 beeindrucken die Tänzerin und Choreographin Meg Stuart sowie der Choreograph Philipp Gehmacher auch in diesem Jahr mit einer Kollaboration. Im hoch präzisen Vexierstück „the fault lines“ erweisen sich die Grenzen zwischen körperlicher Nähe und Distanz als ebenso brüchig wie die der Wahrnehmung. Erweitert wird die Performance von einer Intervention des Videokünstlers Vladimir Miller: Er übersetzt die physische Interaktion des Bühnengeschehen in eine weitere, projizierte Bildebene und verschiebt so den Fokus des Zuschauers. (Montag, 9. Juli und Dienstag, 10. Juli, 20:30 Uhr, Galerie Thaddaeus Ropac Halle)

Als perfektes Renaissancekunstwerk wurde in der heutigen Dietrichsruh von Fürsterzbischof Wolf Dietrich ein Lustgarten angelegt. Der französische Künstler Michel Blazy interpretiert diesen Ort neu und richtet das Augenmerk des Besuchers auf die organische und unaufhaltsam vergängliche Komponente seines „Perfect Garden“. Die Performance von Chris Haring/Liquid Loft ergänzt als Metapher des Vergänglichen die Installation: Übrig bleibt nur das unerreichbare Ideal des perfekten Gartens. (Mittwoch, 11. Juli und Donnerstag, 12. Juli, 21:30 Uhr, (Ersatztermin bei Schlechtwetter: Freitag, 13. Juli), Dietrichsruh)

Mit dem provokanten wie kompromisslosen Einsatz von Nacktheit als Projektionsfläche thematisiert kein anderer Körperlichkeit so radikal wie der kanadische Choreograph Dave St-Pierre. Auch bei der Österreichpremiere seiner Produktion „New Creation“ wuchtet er die krisenhafte Verwicklung zwischen Mann und Frau in starke Bilder, macht die Unmittelbarkeit der Körper erlebbar und entlarvt die Liebe als Illusion. Das Abschlusswerk seiner Trilogie über menschliche Utopien wird so zur Parabel über die Gesellschaft, ihre Oberflächlichkeit und ihre zwischenmenschlichen Defizite. (Donnerstag, 12. Juli und Freitag, 13. Juli, 20:30 Uhr, republic)

sommerszene dinner / party

„Take the ‚A‘ Train“ war Duke Ellingtons Aufforderung zur Eroberung einer urbanen Metropole – zusammen mit ihren Partnern, dem Gewürzhersteller Wiberg und der Privatbrauerei Trumer, lädt die sommerszene unter diesem Motto zu einem künstlerisch-kulinarischen Trip in die ÖBB-Lokhalle: Zwei Jahrzehnte nach der Uraufführung im Rahmen der sommerszene bringt Hubert Lepka einmal mehr seine gefeierte Kammermusik „108 EB“ für vier Motoren und Bedienungspersonal zur Aufführung. Für die kompromisslose Tischmusik sorgt Salzburgs Pop-Rock-Eminenz Stootsie. (Samstag, 14. Juli, 20 Uhr, ÖBB-Lokhalle)

Zum Abschluss der diesjährigen sommerszene geben die Publikumslieblinge Superamas mit „Waterloo – How to party in times of crisis“ eine zeitgenössische Interpretation von Überlebensstrategien. Neben der Preview einer neuen, von der szene koproduzierten Performance der Superamas sind die amerikanische Countrylegende Tina C. und The Bandaloop mit der Premiere einer Musikperformance zu erleben. Außerdem zu sehen ist eine Installation von Jean-Pierre Leclercq und eine Filmarbeit von Roland Rauschmeier. (Sonntag, 15. Juli, 20:30 Uhr, republic)

Quelle
internationales theater- und tanzfestival salzburg, 5. bis 15. juli 2012
Siehe auch
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Redaktion | Freitag, 29. Juni 2012, 18:33 Uhr

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