Neue Zukunft des Nestroyhofs

Im Rahmen eines Mediengespräches am Mittwoch, präsentierten das Leitungsteam des Theaters ‚Nestroyhof Hamakom‘, Frederic Lion und Amira Bibawy, gemeinsam mit Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das Gesamtkonzept für den Nestroyhof. „Wien bekommt kein neues Theater, sondern ein altes holt sich seine Gegenwart zurück“, so Frederic Lion, neuer künstlerischer Leiter der Bühne im 2. Bezirk. Im September 2009 wird das Haus mit einem regel­mäßigen Programm in seine erste Saison starten, wesentlich dabei ist, dass der Ort in seiner inhaltlichen Ausrichtung weiterhin dem „in progress“-Gedanken eng verbunden bleiben wird.

Nestroyhof
Nestroyhof (Foto © Walter Schaub-Walzer)

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny freute sich, dass dieser geschichtsträchtige Raum mit neuem Leben gefüllt wird. „Die Stadt Wien hat durch die Zuerkennung einer vierjährigen Konzeptförderung von 2009 bis 2013 für das Theater Nestroyhof Hamakom längerfristige Planungssicherheit geschaffen“, erklärte Mailath. Der Kulturstadtrat nannte den Nestroyhof „ein schönes Beispiel für die Weiterentwicklung der Wiener Theaterreform“ und befürwortete auch das Konzept einer inhaltlich vielschichtigen Nutzung dieses bemerkenswerten Theaterraums. „Der Nestroyhof wird in Zukunft ein multidisziplinärer Raum, ein Ort der Vernetzung sein, in dem auch andere Gruppen eingeladen werden, ihre Projekte zu präsentieren. Darüber hinaus unterstützt die Stadt Wien die Wiederbelebung des Nestroyhofs innerhalb der Wiener Theaterlandschaft mit einem Infrastrukturbeitrag von 400.000 Euro aus dem Wiener Konjunkturpaket. Damit werden grundlegende Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten des Hauses ermöglicht“, so Mailath.

Frederic Lion und Amira Bibawy werden das Haus als „Spielort für gesellschaftliche Reibungsflächen, Denkfelder und Bewegungen, die sich hier und anderswo ereignen,“ programmieren. Aus diesem Selbstverständnis heraus wurde ein künstlerisches Gesamtkonzept erarbeitet – für Theater-Eigenproduktionen, Gastspiele und Koproduktionen sowie für ein erweitertes, interdisziplinäres Programm für Literatur, Film, Musik, Philosophie, Wissenschaft, Bildende Kunst oder dokumentarische Ausstellungen. „Die Projekte ordnen sich dem Spannungsfeld von Auseinandersetzungen im aktuellen, globalen Kontext zwischenmenschlicher und zwischenkultureller Bewegung, Ausgrenzung und Entgrenzung, Gedächtnis und Identitätskampf, Flucht und Zuflucht ein“, so das Leitungsteam des Theaters.

Andreas Mailath-Pokorny, Amira Bibawy, Frederic Lion (Foto © Walter Schaub-Walzer)
Andreas Mailath-Pokorny, Amira Bibawy, Frederic Lion (Foto © Walter Schaub-Walzer)

Auf dem Programm stehen Theaterproduktionen von Gegenwartsautoren, die Dramatisierung unterschiedlicher Textvorlagen sowie die Entwicklung von Theaterprojekten mit inhaltlich und performativ experimentellen Zugangsweisen und vielfältigem Quelleneinsatz. Stücke von Ilan Hatsor, Werner Kofler und Antonio Fian werden die erste Saison prägen, darüber hinaus wird David Maayan ein Projekt für den Nestroyhof entwickeln.

„Tribüne, Etablissement, Residenz: ein Ort künstlerischer Auseinandersetzungen mit zwischenmenschlichen und zwischenkulturellen Bewegungen“, so beschreibt Amira Bibawy, künstlerische Leiterin des interdisziplinären Programms, den Ansatz ihrer Arbeit. Parallel zu den Hauptproduktionen wird eine hybride Struktur an interdisziplinären Projekten konzipiert. In einem „Montag-Salon“-Programm werden diese Projekte einerseits in engem inhaltlichen Zusammenhang mit den jeweiligen Hauptproduktionen programmiert und andererseits in eigenständigen Projektschienen präsentiert.

Die Geschichte des Theaters im Nestroyhof ist eine über 100 Jahre alte und es ist eine Geschichte, die sich im wiederholten Verschwinden ihre Gegenwart immer wieder zurückzuholen scheint. Seinem schon in einer Tradition stehenden Namen wird das hebräische Wort „ha Makom“ (der Ort) hinzugefügt, weil dieser Begriff eine transzendente Form der geistigen Verortung, der Erinnerung und Eingrenzung umreißt, die zu einer spannenden und diskursiven Möglichkeit der Erweiterung und der Entgrenzung anregt.