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Zu den Buchteln

Die Compagnie Luna will in ‹Weltmaschine Österreich› mit drei Kurzstücken österreichischen ‚Heimatbegriffen‘ theatral auf die Spur kommen. Drei durchaus spaßige Soli, lustvoll dargeboten, nicht ungekonnt, aber auch läppisch, und der Anspruch (wohl notwendig, um eine Förderung zu kriegen) ist der eigentliche, der matteste Witz des Ganzen.

Das Ensembletheater heißt jetzt Garage X und hat umgebaut. Die Bar ist weg, deren Küche und der angrenzende Probenraum sind zu einem zweiten Spielraum umgebaut, wo das Publikum auf einer Sesselreihe die Wände entlang sitzt. Das ist schön gelöst. Auch ist die Spielfläche schön hell beleuchtet, und so harr ich denn dessen, was als Weltmaschine Österreich sich zeigen wird.

Weltmaschine Österreich

Weltmaschine Österreich (Foto © Compagnie Luna)

Zuerst ‹Hymnen-Blues› – ein Dirigent (Markus Fisher) mit Dirigentenstaberl und Notenständer spricht, singt, dirigiert Hymnen österreichischer Bundesländer, deren Wappen als Papierfähnchen im Raum sorgfältig aufgereiht, spielerisch-elegant, flockig die durchwegs martialischen Bekundungen heimatlicher Verbundenheit. Ganz fein ist das, etwas zu lang geraten, gekonnt aber, zwar finde ich das Gelächter, das von einer Gruppe rechts von dem Ort, wo ich sitze, immer wieder ausgestoßen wird, deutlich übertrieben, aber die Geschmäcker, gerade was das Lustige betrifft, sind ja bekanntlich verschieden.

Im zweiten Teil ‹Yesterday in the Kaffeehaus› hantiert Sara Joana Müller mit mehreren Notenständern, die österreichische Dichter und Dichterinnen personifizieren, von Reinhard P. Gruber bis Gert Jonke, auch die Jelinek ist dabei, abseits, das ist der running gag, dass der Jelinek-Ständer immerzu abseits gestellt wird, je nun … Im Programmheft steht, dass „die Texte auf ihren Heimatcharakter untersucht würden“, tatsächlich gibts Zitate, wir sind im Kaffeehaus, in welchem der Rühm-Ständer irgendwie unter dem Tisch eine Stückidee entwirft und wohl auch ausführt, danach gibts ein Match, dessen Zweck mir unklar geblieben ist. Heimatcharakter? Mitgeteilt wird von der sehr eifrig die Ständer herumstellenden Darstellerin/Erzählerin, dass diese österreichischen Großdichter, außer der Jelinek, ein lustiges Völkchen sind, das gern sich im Wirtshaus/Kaffeehaus aufhält usf. Sehr tiefgründig! Ich meine: es muss ja nichts ‚untersucht‘ werden. Und wer bin ich denn, zu behaupten, man dürfe einen Scherz nicht zu einer Nummer ausbauen? Man darf. Es ist öd. Das Gelächter von rechts immer wieder heftig. Soll sein.

Zuletzt ‹My Machine› – der Tänzer/Clown Akos Hargitay im braunen, sehr schönen Trachtenanzug mit Hut und Alpenschuhen, zeigt zuerst einmal seine Geschicklichkeit und Beweglichkeit und führt dann auf einer Scheibtruhe Autoreifen, Kreisel und dergleichen herein, mit denen er hantiert, sich damit auf die Weltmaschine des Franz Gsellmann (1910–1981) beziehend. In der →Wikipedia heißt es: „Die Maschine ist ca. vier Meter lang, zwei Meter breit und vier Meter hoch. Etwa 2000 verschiedenste Bestandteile sind zu einem bebenden, schwingenden, drehenden, dröhnenden, leuchtenden und blinkenden Wunderwerk verbaut, das durch 25 Elektromotoren zum Leben erweckt wird. Die Maschine besteht neben Spulen, Schläuchen und Drähten aus so unterschiedlichen Teilen wie einem Adler aus Porzellan, einem Orgelgebläse, einer Infrarotlampe, drei Blaulichtern, 64 Vogelpfeifen, 200 Glühbirnen, 14 Glocken, einer Sauerstoffflasche als Antrieb für die windgetriebenen Teile, einem Klapotetz, einer Spielzeugrakete, die er sich extra aus Japan schicken ließ und vielem mehr. Durch die permanente Bewegung der Maschinenteile entstehen Licht- und Geräuscheffekte.“ Akos Hargitay ist ein begabter junger Mann, dem man gern zusieht, sein komisches Talent ist nicht zu bestreiten (wenngleich das nunmehr nahezu hysterische Gelächter von rechts nun vollends lächerlich ist), die Nummer, die er aufführt ist ganz lustig, wenn auch wieder allzusehr ausgewalzt (endlich – schon hab ichs vermisst – kommt auch Video zum Einsatz!), mit der tatsächlichen Weltmaschine hat sie nichts zu tun.

Der ganze Abend, eine Stunde lang (und ja: lang), leidet darunter, dass er über sich hinaus weisen will, sich mit Bedeutung aufzuladen versucht, die er in keiner Weise einlösen kann. Meine Begleiterin, eine Ungarin, die in Wien aufgewachsen ist und seit Jahren in Schottland lebt, auf Kurzbesuch in Wien, ist etwas achselzuckend nicht unzufrieden mit dem Theaterbesuch, was mich beruhigt, und wir begeben uns fröhlich ins Hawelka, zu den Buchteln, nicht etwa zur Heimat-Erkundung. Das Hawelka ist noch genauso …

Siehe
Ankündigung ‹Weltmaschine Österreich›

Wolfgang Palka | Donnerstag, 11. März 2010, 14:19 Uhr

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